Schwedische Buchmesse Göteborg

Die Buch- und Bibliotheksmesse findet jährlich am letzten Septemberwochenende in Göteborg statt.

Unter den privaten Besuchern ist die Messe auch deshalb so beliebt, da man die Bücher für die man sich interessiert, direkt an den Verlagsständen kaufen kann. Anders als z.B. bei der Frankfurter Buchmesse.

Hier fällt für viele Verlage der Startschuss für die Veröffentlichung der Herbst- und Winterprogramme. Potentielle Bestseller werden hier in großem Stil der Öffentlichkeit präsentiert, vielversprechende junge Autor*innen erhalten eine Plattform, um zum Teil international erfolgreiche Karrieren zu starten.

Im Hintergrund blüht der Rechte- und Lizenzhandel. Manche der auf der Buchmesse in Göteborg präsentierten Bände werden bereits wenige Monate später, in einer deutschsprachigen Übersetzung in Deutschland, Österreich und der Schweiz veröffentlicht.

Der erwartete schwedische Spitzentitel des Herbst 2019 ist der zweite Teil von Niklas Natt och Dag Historienkrimi, der den Titel »1794«, als Nachfolger seines internationalen Bestsellers »1793« trägt.

Der Piper-Verlag, der den ersten Teil in deutscher Übersetzung veröffentlichte, hat sich die Rechte am Nachfolger zeitgerecht gesichert, so dass »1794« bereits rund um den 3. Jänner 2020 in deutscher Übersetzung vorliegen wird.

Etliche andere Titel und Autor*innen erregen erst auf der Messe das Aufsehen des internationalen Fachpublikums. Oftmals werden sie rund ein Jahr später in Ländern wie Großbritannien, USA, Frankreich, Italien oder Spanien zu Überraschungserfolgen und ermöglichen den Autor*innen, ausschließlich von ihren Buchverkäufen zu leben.

Mit dem Verlag Storytel ist der statistisch gesehen erfolgreichste europäische Hörbuchverlag in Schweden beheimatet. Storytel verfügt mittlerweile über eine dermaßen große Finanzkraft, dass man vor wenigen Jahren, die hinter der Bonnier-Holding, zweitgrößte schwedische Verlagsgruppe Norstedts kaufen konnte und nun nicht nur Hörbücher sondern sowohl Print- als auch e-Bücher in seinem Portfolio hat.

Die Bibliotek 85, wie sie damals genannt wurde, feierte ihre Premiere am 23. August 1985. 5.000 Fachbesucher und Privatpersonen folgten dem Ruf der Veranstalter. Im folgenden Jahr betrug die Besucherzahl bereits 25.000, seitdem ist sie jedes Jahr gewachsen, 2003 wurden an vier Tagen etwas mehr als 110.000 Besuche verzeichnet.

Das Interesse der Aussteller hat im Laufe der Jahre stetig zugenommen. 2008 mussten mehr als 50 Aussteller aufgrund Platzmangels abgelehnt werden.

Der größte Teil der Messe findet auf der unteren Ebene der zentralen Messehalle statt. Hier gibt es die meisten Verlagsstände, die thematisch zusammengefasst werden.

Die obere Geschossebene ist deutlich kleiner und macht nur rund ein Drittel der Fläche im Erdgeschoss aus. Hier sind alle Seminar- und Vortragsräume für die literarischen Lesungen von Schriftsteller*innen und anderen Autor*innen aus publikumswirksamen Bereichen wie Kochen, Garten und Lebensberatung, zu finden. Desweiteren werden hier die Stände der Kleinverlage und internationaler Organisationen zusammengefasst.

Die Buchmesse hat sich seit ihrer Gründung zu einem wichtigen Treffpunkt für Schriftsteller*innen, Leser*innen, Verleger*innen, den Massenmedien und Politiker*innen entwickelt. Es ist ein wichtiges Element im kulturellen Leben Westschwedens und die einzige Woche im Jahr, in der die schwedische Verlagsbranche nicht hauptsächlich in Stockholm und Skåne ansässig ist.

Durch das öffentliche Interesse hat die Messe auch journalistische Aufmerksamkeit und politische Präsenz erregt. Der/Die schwedische Kulturminister*in nimmt häufig an der Eröffnung der Buchmesse teil, andere schwedische Minister und bekannte Politiker werden regelmäßig bei verschiedenen Seminaren und Diskussionen gesehen.

Die Buchmesse ist in den letzten Jahren wegen der Wahl des Ausstellungsthemas oder der Aussteller in die öffentliche Kritik geraten. Das Themenland Ungarn 2015 wurde sowohl auf, als auch außerhalb der Messe, für die harte Kontrolle der Massenmedien des Landes in den letzten Jahren kritisiert. Im Jahr 2016 sorgte der Aussteller Nya Tider mit rechtsextremen Aussagen und nationalistischen Auftritten für heftige Diskussionen. Da das Thema der Messe im folgenden Jahr die Redefreiheit war, wurde der Zeitschrift wieder die Teilnahme mit einem eigenen Stand ermöglicht. Die Debatte wurde 2017 mit einer großen Anzahl von Absagen anderer Verlage, mehreren alternativen Buchmessen, Boykottaufrufen und Demonstrationen, sowohl in der Messe als auch vor den Hallen, fortgesetzt. Im Jahr 2018 durften die Organisation Granskning Sverige und der Verlag Runeskrift, nicht ausstellen.

Für Schwedisch sprechende Leser*innen füge ich hier einige Links zu den aktuellen Verlagsprogrammen schwedischer Publisher an:

Homepage der Buchmesse (sv / en): https://bokmassan.se/

Bonnier Verlagsgruppe. Mit den Programmen von 24 zur Verlagsgruppe gehörenden Publishern, wie z.B.: A. Bonniers Förlag, Wahlström & Widstrand, Bokförlaget Forum, Max Ström Förlag, Bonnier Fakta und Månpocket: https://www.bonnierforlagen.se/

Norstedts: http://www.norstedts.se/

Natur och Kultur: https://www.nok.se/

Piratförlaget (Guillou, Holt, Marklund, Roslund & Hellström): https://www.piratforlaget.se/

Leopard Förlag (Mankell): https://www.leopardforlag.se/

Storytel: https://www.storytel.com/se/sv/

Weyler Förlag: https://www.weylerforlag.se/

 


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