Glimmingehus – Mein Haus ist meine Burg

So beschreibt Selma Lagerlöf in „Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige“ diesen Ort:

Im südöstlichen Skåne nicht weit vom Meer entfernt liegt eine alte Burg mit dem Namen Glimmingehus, die aus einem einzigen hohen, großen, starken Steinhaus besteht, das man schon aus großer Entfernung sehen kann. Es ist nicht mehr als vier Stockwerke hoch aber so gewaltig, dass das daneben stehende Wohnhaus so klein wie ein Puppenhaus wirkt.

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Burganlagen aus Stein, sogenannte „Hus“ anzulegen, wurde im 15. Jahrhundert unter der wohlhabenden Bevölkerung Skandinaviens modern. Die Gründe dafür waren vielfältig. Die Zeiten waren unruhig und die Notwendigkeit sich verteidigen zu können, war gegeben. Dazu kam die Jagd nach Prestige. Ausserdem waren die Könige zu dieser Zeit schwächer als früher, was auch dazu führte das sie ihren reichen Untertanen nicht verbieten konnten Burgen zu bauen. Ab 1483 war es Privatpersonen von Gesetzes wegen erlaubt Befestigungen anzulegen.

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Jens Holgersen aus dem Geschlecht der Ulfstand, der die Burg 1499 bauen ließ, war ein Stützpfeiler der dänischen Monarchie und einer der bedeutendsten Seekrieger seiner Epoche. Er konnte über ein großes Vermögen disponieren. Zeitweise war er königlich dänischer Statthalter auf Gotland. Dort war er berüchtigt für seinen Umgang mit den ortsansässigen Bauern. Unter der persönlichen Kontrolle von Jens Holgersen standen 3 Gutshöfe und über 120 Bauernhöfe bzw. Dörfer in Dänemark. Als er den deutschen Architekten Adam van Düren mit dem Bau von Glimmingehus beauftragte, war es für ihn selbstverständlich das Gebäude so zu gestalten, dass es die einheimische Bevölkerung beeindrucken sollte. Was ihm laut zeitgenössischen Quellen durchaus gelungen ist.

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Glimmingehus ist 30 Meter lang, 12 Meter breit und 26 Meter hoch, verfügt über insgesamt 4 Stockwerke samt einem Keller. Für den Bau der Burg wurde Sandstein und Quarzit aus Skåne und Kalkstein aus Gotland verwendet. Die Mauern sind 2,5 Meter dick. Um den Gebäudekomplex herum verläuft ein Wassergraben.

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Auch heute noch können Besucher erahnen wie die Anlage nach ihrer Fertigstellung in der ersten Hälfte des 16. Jahrdunderts funktionierte. Im Keller wurden die Vorräte eingelagert. Dort befand sich auch die Küche mit einem Brunnen und den Feuerstellen, deren Wärme durch Kanäle bis in das zweite Stockwerk geleitet worden ist.

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Im ersten Stock befindet sich das Schlafgemach mit angeschlossenen Räumlichkeiten und einer Toilette. Auf der selben Etage ist der große feudale Burgsaal  mit einem achteckigen Tisch zu finden. Noch luxuriöser ist der Rittersaal im zweiten Stock. Neben diesem ließ Jens Holgersen ein weiteres Schlafzimmer mit einer Kammer und einer Kapelle einrichten. Im dritten Stock liegen die Schießscharten von denen Armbrustschützen im Ernstfall Angreifer beschießen konnten. In der Burg wurden auch etliche Steinreliefe gefunden. Eines davon, das sich in der Kapelle befindet, zeigt Jens Holgersen wie er vor Jesus am Kreuz kniet. Oberhalb des Schloßportals kann mann ein Relief des Schloßherren mit seinen beiden Ehefrauen betrachten. Der Großteil der Ausstattung der Burg ist heute noch im Original im Gebäude zu sehen.

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Als Glimmingehus gebaut wurde, handelte es sich um eine luxuriöse Anlage mit deutlichen Zeugnissen der nostalgischen Ritterromantik des beginnenden 16. Jahrhunderts. Bei Ausgrabungen wurden Gläser aus Venezien und dem Rheinland zu Tage gefördert. Ein Hinweis auf den edlen Geschmack des Hausherren von Glimmingehus.

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Aber bereits einige Jahrzehnte später war die Burg nicht mehr modern. Im 18. Jahrhundert wurde das Gebäude als Getreidespeicher verwendet. Der letzte private Eigentümer, Nils Månsson, schenkte im Jahr 1924 Glimmingehus dem schwedischen Staat. Heute ist die Burg für die Öffentlichkeit zugänglich.

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Sehr beliebt ist das Haus für Hochzeiten und andere Veranstaltungen die einen exklusiven Rahmen suchen. In den Sommermonaten finden regelmäßig klassische Konzerte statt. Ein Ritterturnier ist ebenso fixer Bestandteil im Verantstaltungskalender. Vor Ort gibt es einen sehr guten sortierten Museumsshop und ein Café.

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Die schwedische Homepage von Glimmingehus verfügt auch über eine kurze deutschsprachige Information. Auf dieser Seite ist auch der Veranstaltungskalender abrufbar. Vom 1. August bis 1. September findet einmal täglich auch eine Führung in deutscher Sprache statt. Glimmingehus ist auch auf Facebook vertreten. Wie finde ich nach Glimmingehus?


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