Gudmundstjärn – Ein Museumsbauernhof nördlich von Sundsvall

Ungefähr 40 Kilometer von Sundsvall entfernt, liegt der Museumsbauernhof Gudmundstjärn. Seinen Namen erhielt der Bauernhof nach einem Unglück im Jahr 1694 als der Bauer Gudmund  Pärsson und die Magd Annika Bengsdotter im Teich (tjärn) ertrunken sind. 1944 verließ die Familie den Hof, die Ackerflächen wurden weiter betrieben. Bis ins Jahr 1961 gab es keine befestigte Straße nach Gudmundstjärn, der Bauernhof konnte von der am nächsten gelegenen Ortschaft, die sich in ungefähr zehn Kilometern Entfernung befindet nur über Feldwege erreicht werden. Elektrischen Strom oder eine Leitung für ein Festnetztelefon gibt es bis heute nicht.

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1983 wurde der Hof unter Denkmalschutz gestellt. Ein Verein kümmert sich gemeinsam mit der Kommune Sundsvall (heutige Eigentümer des Hofes) um die Erhaltung der Gebäude. Es werden an diversen traditionellen schwedischen Festtagen (z.B. Midsommar) Veranstaltungen organisiert. Während der Öffnungszeiten stehen Vereinsmitglieder den Besuchern zur Verfügung um über den Hof, die Gebäude und Gerätschaften Auskunft zu geben.

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Ein geschichtlich interessanter Aspekt, den ich in diesem Zusammenhang zum ersten Mal wahrgenommen hatte, war der Umstand, dass man in den nördlichen Regionen Schwedens in früheren Zeiten nicht ohne weiteres Landwirtschaft betreiben konnte. Die Voraussetzung dafür war eine Genehmigung durch die Vertreter des schwedischen Staates, die einem dies erlauben mussten. Der Hintergrund war, dass die klimatischen Bedinungen lange Zeit als zu schlecht betrachtet wurden um in diesen und noch weiter im Norden sich befindlichen Regionen so viel Ertrag zu erwirtschaften, dass ein Bauernhof und deren Bewohner eine reelle Überlebenschance haben würden. Im 17. Jahrhundert stiegen auch in dieser Region die Bevölkerungszahlen zum Teil stark an, sodass die regionalen Vertreter der schwedischen Krone den Beschluss fassten, die Landschaft nördlich und nordwestlich von Sundsvall für die Erschließung durch die Landwirtschaft zuzulassen. Im Zuge dieser Entwicklung wurden die ersten Gebäude in Gudmundstjärn gebaut und die Flächen von Landwirten bearbeitet.

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Das ursprüngliche Areal des Hofes umfaßte Flächen in der Größe von 249 Hektar. In seiner Hochphase befanden sich 31 Wohn- und Wirtschaftsgebäude im Besitz des Bauern von Gudmundstjärn. Heute gehören 71 Hektar Naturreservat, ca. 50 Hektar Wald- und Moorflächen, 10 Hektar die für Viehzucht verwendet werden, 11 Hektar Wasserflächen und 23 Gebäude zum Museum.

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Der Besuch des Museumsbauernhofes lohnt sich für alle die an der Geschichte und der Kultur des nördlichen Schweden interessiert sind und eine Vorstellung über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bewohner in einem dermaßen abgeschiedenen Umfeld erhalten möchten. Die idyllische Landschaft lässt den/die Besucher/in im Dunkeln über die Mühen des Alltags, die sich für die Bauernfamilie, ihre Mägde und Knechte tagtäglich aufgetan haben. Die Informationen über den Alltag und das Leben hier, wurden in typisch schwedischer Unaufdringlichkeit hervorragend aufbereitet und lassen erahnen warum der Hof 1944 verlassen worden ist.

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Für Kinder jeden Alters ist der Bauernhof besuchenswert und ein Erlebnis. Die Gebäude sind frei zugänglich. Die Wiesenflächen rund um den Hof sind betretbar. Der Bach der zum Sägewerk führt, lädt bei schönem Wetter zum Spielen und Plantschen ein. Es gibt Kühe, Schafe und Hühner. Am Weg vom bzw. zum Hof gibt es am Bjässjön einige sehr schöne Bade- und Picknickplätze. Wir haben zwei davon genutzt, es war eine herrliche Ergänzung zum Besuch des Museums.

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Rund um Midsommar wird der Hof für Besucher geöffnet und ist täglich von 11 Uhr bis 16 Uhr besuchbar. Mitte bis Ende September schließt der Bauernhof dann wieder seine Pforten. Wer ab Mitte September in der Region unterwegs ist, sollte zuerst beim Tourismusbüro in Sundsvall nachfragen ob der Museumshof noch geöffnet hat oder man fährt einfach auf gut Glück nach Gudmundstjärn. Die 40 Kilometer von Sundsvall vermitteln ein anschauliches Bild der Landschaft des Medelpad.

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Am Hof kann man sich einen Walkman ausborgen. Eine Audioführung in deutscher Sprache steht zur Verfügung. Die CD kann auch käuflich erworben werden.

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Hier ist der Link in Google Maps zu Gudmundstjärn und hier ist die Wegbeschreibung.

Der Museumsverein betreibt eine einfache Homepage in schwedischer Sprache. Hier ist der Link.

Bildnachweis: http://www.gudmundstjarn.dinstudio.se/


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