Früher: Königlicher Warteraum im Bahnhof von Malmö. Heute: Bistro Royal

Es ist nicht mehr als ein kleines Relief der schwedischen Krone oberhalb des Einganges das auf den Raum hinweist, der sich hinter den grünen Gardinen und doppelten Eichentüren am Bahnsteig im Bahnhof von Malmö verbirgt. Auch der andere Eingang der sich am Centralplan befindet, deutet nicht darauf hin, das sich neben dem Uhrturm des Bahnhofs ein spezieller Raum für königliche Hoheiten befindet.

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Bildnachweis: Skånskan

Hier, zwischen der Halle mit den Bahnsteigen und dem Platz an dem die Stadtbusse ihre Haltestelle haben, liegt der königliche Warteraum, der zuletzt im Jahr 2009 von Kronprinzessin Victoria für fünfzehn Minuten genutzt worden ist. 1977 verbrachten König Carl Gustaf und Königin Silvia einige Zeit in dem prachtvoll mit Intarsien und Wandmalereien geschmückten Raum. Übrigens der erste königliche Besuch, seit König Oscar II. am 20. Mai 1896 Malmö besucht hat. 1914 trat der Warteraum öffentlich in Erscheinung, als Vertreter von Schweden, Norwegen und Dänemark die ernste Lage nach Ausbruch des ersten Weltkrieges dort diskutierten. Viel mehr königliche Hoheiten sah der Raum soweit bekannt ist wohl nicht.

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Bildnachweis: Skånskan

Als im Jahr 2011 der königliche Hof in einem formellen Schreiben an den Besitzer des Gebäudekomplexes – Svenska Jernhusen – übermitteln ließ, dass das schwedische Königshaus keine weitere Verwendung für die Räumlichkeit habe, stellte man bei Jernhusen Überlegungen an, wie man diese im Zuge der großangelegten Umbau- und Erweiterungsarbeiten des Bahnhofes nutzen könnte.

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Bildnachweis: Skånskan

Nachdem ein Großteil des 1856 eröffneten Bahnhofs unter Denkmalschutz steht, was auch für den vierzig Jahre später eröffnenten Warteraum gilt, war zuerst das Riksantikvarieämbetet (Amt für Denkmalschutz) am Zug. Bis Anfang 2014 wurden die Räume wieder in den Originalzustand versetzt. Unter anderem wurden in dem Teil der Warteräume die eigens für die Königin und ihre Entourage geschaffen worden sind, die in den 1960er Jahren verlegten Linoleumböden wieder entfernt, sodass der originale Parkettboden wieder zum Vorschein kam. Ein Großteil der kunstvoll gearbeiteten Wandtapeten wurden ebenfalls in den 1960er Jahren übermalt. Hier entschied man sich nur einen kleinen Teil freizulegen, sozusagen als Blick in die Vergangenheit. Ein Großteil des originalen Mobiliars wurde ins schwedische Eisenbahnmuseum nach Gävle gebracht.

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Bildnachweis: Skånskan

Da nicht nur dieser relativ kleine Gebäudeteil, sondern der gesamte Bauteil des historischen Ensembles des Malmöer Bahnhofs, der an den Centralplan mit seinen Bushaltenstellen grenzt, saniert worden ist, wurde im Zuge eines Gesamtkonzepts entschieden, den ehemaligen königlichen Warteraum in ein Restaurant umzuwandeln. In den anschließenden Gebäudeteilen soll unter anderem eine Apotheke und ein Einrichtungsgeschäft untergebracht werden. Insgesamt rechnen die Eigentümer mit der Ansiedelung von sieben bis acht Geschäften.

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Bildnachweis: Sydsvenskan, Andreas Pieplow

Im Frühjahr 2014 wurde ein Lokal mit dem Namen „Bistro Royal“, in den nun ehemals königlichen Warteräumen eröffnet. Es wird italienische, spanische und schwedische Hausmannskost serviert. Der Betreiber des Restaurants – Andreas Pieplow – ist in Malmö kein Unbekannter. Er betreibt die in der Stadt etablierten Lokale „Glasklart“, „Årstiderna by the sea“, „Plectrum“ und „Skeppsbron 2“. Nach seinen Vorstellungen teilt sich der Lokalbereich in eine Weinbar und ein Restaurant mit ungefähr vierzig Sitzplätzen auf und ist preislich im Mittelklassebereich angesiedelt.

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Bildnachweis: Postvagnen.com

Als ich das erste Mal vom königlichen Warteraum in Malmö gehört habe, stellte sich mir sofort die Frage wo es in Schweden wohl noch derartige Räume geben würde. Meine Recherche ergab, dass dies nur in Stockholm und Vagnhärad der Fall ist. In Stockholm befinden sich die Eingänge des 1927 eingerichteten Warteraums an der Vasagatan und am Gleis 10 der Centralstation. Der Stockholmer Warteraum dürfte laut Quellen auch deswegen öfter genutzt worden sein als sein Pendant in Malmö, da von hier aus die aktuelle königliche Familie, zu der Zeit als die drei Kinder noch jünger waren, jedes Jahr zu Sportlov (Schulferien im Februar/März) mit dem Nachtzug in den Skiurlaub nach Storlien gereist ist.

Deutlich älter ist das nachfolgende Bild das Carl Gustaf und seine Schwester Christina vor der Abfahrt vom Gleis 10 des Stockholmer Bahnhofs im „Kungavagn“ (also dem königlichen Waggon) in die Sommerferien nach Solliden (Öland) zeigt.

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Bildnachweis: Stockholmskallan.se

Der dritte königliche Warteraum befand sich, wie oben angesprochen, in Vagnhärad. Wer jetzt überlegt ob er in der schwedischen Geographie nicht sattelfest ist, muss sich keine Sorgen machen. Vagnhärad ist ein kleiner Ort der zur Gemeinde Trosa gehört und am halben Weg zwischen Södertälje und Nyköping liegt. Das hier ein eigener Warteraum für königliche Hoheiten eingerichtet worden ist, liegt an König Gustaf V. (1858 – 1950, der Großvater des heutigen Königs), dessen Sommerschloss Tullgarn sich in der Nähe befand.

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Bildnachweis: tugboatlars.se

Das es in Göteborg, der zweitgrößten Stadt des Landes, nie einen königlichen Warteraum im Bahnhof gegeben hat, ist für mich verwunderlich. Vielleicht reisten die Könige die während der Hochphase der Eisenbahn als schnellstes Transportmittel regierten, also irgendwann zwischen den 1850er und 1930er Jahren, nicht so oft nach Göteborg. Warum auch immer.

Die nächste Frage, die sich mir stellte, lautete: „Wenn es eigene königliche Warteräume gab, existierte dann auch ein eigener königlicher Zug oder zumindest ein Waggon?“. Eine logische Frage denke ich. Wer sich am Bahnhof vom gemeinen Volk absondert, möchte seine Reise vermutlich auch ungestört von seinen Untertanen verbringen.

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Bildnachweis: Postvagnen.com

Über einen eigenen Zug verfügte das Königshaus wohl nicht aber ein eigener Waggon stand und steht zur Verfügung. Dieser wird traditionell als erster Waggon hinter der Lokomotive angehängt. Belegt ist, dass Kronprinzessin Victoria und Prinz Daniel damit am 19. Mai 2011 nach Ockelbo (in den Heimatort von Daniel) gefahren sind.

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Bildnachweis: jtj.org

Homepage des Bistro Royal: https://bistroroyal.se/

 


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