Buchtipp: Anne Holt – Der norwegische Gast

Schon wieder zieht es mich nach Norwegen. Diesesmal betrifft es eine der beliebtesten norwegischen Krimi-Autorinnen, die eine ebenso große Fangemeinde in Schweden wie auch im deutschsprachigen Raum hat.

Anne Holt hat vor einigen Jahren einen Krimi veröffentlicht, der bestens zur aktuellen Jahreszeit passt. Sollte jemand auf der Suche nach einer winterlichen Krimilektüre sein, so kann ich dieses Buch empfehlen. Ob man es bei einer Zugreise lesen sollte? Das muss jede/r Leser/in selbst entscheiden.

Hanne Wilhelmsen, die nach einer Schussverletzung im Rollstuhl sitzt, ist mit der Bergenbahn am Weg in eine Rehaklinik.

Nach einem Zugunglück in der Nähe des Bahnhofs von Finse, dessen Auslöser ein tosender Sturm war, wird sie mit knapp zweihundert anderen, fremden, Menschen, im von der Außenwelt abgeschnittenen Hotel in Finse, mitten in der Hardangervidda – 1222 m über dem Meer (Originaltitel) – einquartiert. Das ist an sich schon eine Situation, die an den Nerven der Betroffenen zerrt. Dann stirbt der Fussballpastor Cato Hammer – er wird ermordet. Unter den Eingeschlossenen, die durch den Sturm nicht nur von der Aussenwelt abgeschottet sind, sondern auch um ihre Sicherheit im Hotel, das den Kräften langsam nachzugeben scheint, fürchten müssen, bricht ein diffuses Gefühl von Panik aus. Gerüchte über unheimliche Vorgänge finden schnell Nahrung bei den Menschen deren Nerven blank liegen. Angeheizt durch verschiedene Stimmungsmacher droht die Situation zu eskalieren…

Anne Holt hat ein wunderbares Psychogramm einer Gruppe von Menschen erstellt, die durch das Schicksal verbunden aber ohne jede Gemeinsamkeit sind. Anne Holt nimmt sich die Zeit um nach und nach die verschiedenen Charaktere herauszuarbeiten. Sei es nun die menschenfeindliche – und mit sich selber im Unreinen befindliche – Komissarin Hanne Wilhelmsen, der unzugängliche aber hochgebildete Teenager Adrian oder die Stimmungsmacherin Kari Thue, die mit ihrer Hyperaktivität die Stimmung der Anwesenden ernsthaft zum Kippen zu bringen droht, sie alle sind so beschrieben, dass man sie vor sich zu sehen glaubt. Neben der Frage, wer denn nun Cato Hammer wirklich umgebracht hat, beschäftigt beim Lesen dieses Krimis ebenso die Frage, wie die Menschen diese Tage in Finse überleben sollen. Denn so mancher ist nicht das, was er zu sein vorgibt und damit knüpft Anne Holt mühelos einen Spannungsbogen, der die ganze Geschichte über anhält.

„Der norwegische Gast“ von Anne Holt ein hervorragend ausgearbeiteter Krimi, der wesentlich mehr Ansprüche an die Leserschaft stellt, als ein durchschnittliches Werk dieses Genres. Und doch ist er so geschrieben, dass man dem Verlauf der Geschichte gut folgen kann.

Hier ist der Link zur deutschsprachigen Ausgabe.


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