Jakriborg, Skåne – Wohnen im Stil der Hanse

Ist man im südlichen Skåne zwischen Malmö und Lund unterwegs, fallen einem unwillkürlich die unzähligen Vorortesiedlungen links und rechts der Hauptdurchzugsstraßen auf. So wie in ganz Südschweden, haben sich rund um die Ballungsräume Reihenhaussiedlungen rund um die früher kleinen Dörfer gruppiert. Da der Wohnraum in den Städten nicht nur in Schweden immer teurer wird, bleibt für viele Wohnungssuchende oft nur die Möglichkeit den Traum von der Wohnung in der Stadt ad acta zu legen und in das Umfeld der Städte zu ziehen.

Die meisten der angelegten Siedlungen sind architektonisch nicht sehr ansprechend, man erkennt am Baustil sehr deutlich in welcher Zeit sie errichtet worden sind, ob sie heute – teils Jahrzehnte später – noch funktionell sind und ob die Qualität der von den Bauträgern verwendeten Materialien so gut war, dass es für die Bewohner der Häuser und Wohnungen nicht schon nach wenigen Jahren einen großangelegten Renovierungsbedarf gab.

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Das auffälligste Bauprojekt im südwestlichen Skåne – abgesehen von Malmös Västra Hamnen – gehört zur Gemeinde Staffanstorp und liegt im Ortsteil Hjärup. Es ist auf der einen Seite vom restlichen Ort durch eine Straße (Banvallsgatan) und eine Eisenbahnlinie getrennt und auf weiteren zwei Seiten von einem Gewerbegebiet umgeben.

Der Name der Siedlung leitet sich vom Immobilienentwickler Jakri AB ab. Dessen Name setzt sich aus Teilen der Vornamen der beiden Inhaber Jan und Krister Berggren zusammen.

Zusammen mit der Siedlung Järla sjö in der Gemeinde Nacka im Stockholms län, gehört Jakriborg zu den typischen Vertretern des New Urbanism in Schweden.
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Die Häuser wurden dem Stil der vorindustriellen Gebäude der Region und den typischen Gebäuden der Hanse in den Küstenstädten der Nord- und Ostsee nachempfunden. Das Straßennetz erinnert an Orte, die ihre mittelalterlichen Stadtkerne bewahren konnten. Eine sogenannte „Stadtmauer“ dient als Lärmschutz gegen die Eisenbahnlinie und die Straße. Die Bahnhaltestelle Hjärup liegt direkt vor der Stadtmauer und bietet optimale Anschlussmöglichkeiten nach Lund im Norden und Malmö im Süden, ein Umstand der Hjärup nicht nur bei Familien mit schulpflichtigen Kindern beliebt macht. In wenigen Minuten sind für Jugendliche diverse Gymnasien und Universitäten erreichbar, sowie für Erwachsene zwei florierende Städte mit vielen Arbeitsplätzen. Nach wenigen Minuten Fahrzeit mit dem Auto erreicht man in Lomma einen der schönsten Badestrände der Umgebung, mit einem Hafen für Segelboote.

Der Durchzugsverkehr für Autos wird an Jakriborg vorbeigelenkt. Die Siedlung ist nur von Norden über den Vragerupsvägen und von Süden über den Lommavägen erreichbar. Der Vorteil liegt in der relativen Ruhe, da es fast nur Bewohnerverkehr, außer diversem Zustellverkehr, in der Siedlung gibt. Der Nachteil ist, dass die Bewohner der Siedlung mit dem Auto bis zum, Luftlinie einen Kilometer entfernten, Ortszentrum in Hjärup mit dem Auto einen tatsächlichen Weg von knapp vier Kilometern zurücklegen müssen. Da Jakriborg nur über eine eingeschränkte Infrastruktur verfügt, wird der Weg in den Ort auf Dauer ein aufwändiger.

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Die ersten Häuser wurden 1999 fertiggestellt. Ich war im Jahr 2001 erstmals in Jakriborg. Die für eine Neubausiedlung ungewöhnliche Architektur begeisterte mich, die zum damaligen Zeitpunkt wenigen Bewohner und die fehlende Infrastruktur ließen mich ein wenig ratlos zurück. Einige Jahre später im Jahr 2007 besuchte ich den Ort wieder. Laut den eigenen Angaben des Immobilienentwicklers waren zu diesem Zeitpunkt 400 Wohnungen vermietet. Die Infrastruktur beschränkte sich auf einen Nahversorger und eine Bäckerei. Ist man während des Tages in der Siedlung unterwegs, begegnen einem kaum Menschen, da diese entweder in der Schule, der Universität respektive in der Arbeit sind. Dadurch manifestiert sich der Eindruck, sich in einer klassischen Schlafstadt zu befinden, die nur am Abend oder den Wochenenden belebt ist. Und auch dann nur mit Einschränkungen, da es keine erkennbaren Orte gibt, an denen gesellschaftliches Leben stattfinden könnte.

Laut Jakri AB gibt es Landreserven für maximal 3500 Wohnungen. Allerdings stockt seit 2007 der Ausbau. Die damals verfügbaren 400 Wohnungen entsprechen dem akutellen Stand. Ob und wann die Siedlung weitergebaut wird, ist unbestimmt.

Die einzige zur Zeit freie Wohnung (113 m² – 3 Zimmer plus Küche) wird für SEK 10.576,- (ca. € 1.140,-) Kaltmiete angeboten.

Wer sich ein Bild von der Siedlung Jakriborg und den Ortschaften im südwestlichen Skåne machen möchte, findet den Link zur Karte auf Google Maps hier. Die Homepage der Firma Jakri AB findet sich hier.

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