Rörgast von Johan Theorin

Nach „Skumtimmen“, „Nattfåk“ und „Blodläge“ ist nun der vierte und abschließende Band in Johan Theorins Romanserie über Öland erschienen.

Wie in seinen bisherigen Romanen bewegt sich auch „Rörgast“ in einer Grauzone zwischen Phantasie, Wirklichkeit und alptraumhaften Geschehnissen.

Gerlof, der alte Seemann, ist auch im vierten Teil der Romanreihe die verbindene Figur. Während er kurz nach Mittsommer in seiner Fischerhütte am Strand übernachtet, wird er  von einem durchnässten und verschreckten Jungen geweckt. Jonas erzählt, dass er an Bord eines Schiffes mit toten respektive sterbenden Seeleuten war und von einem Verrückten mit einer Axt bedroht wurde. Der Junge gehört zur reichen Familie Kloss und bald wird klar, dass der Kapitän des misteriösen Schiffes sich für ein Unrecht, dass sich in seiner Jugend ereignet hat, an der Familie Kloss rächen will.

Leider ist der vierte Teil der Reihe meiner Meinung nach der Schwächste. In den Vorgängern gelang es Theorin seinen Figuren Leben einzuhauchen und die mystischen Elemente als natürlichen und logischen Bestandteil in die Handlung zu integrieren. Diesesmal bleiben die meisten Figuren blass. Auch essentielle Momente in der Handlung werden so erzählt, das dabei nicht viele Emotionen geweckt werden. Gerlof, der in den früheren Romanen mit der Weisheit des Alters gesegnet war, gibt in diesem Band einerseits wichtige Informationen an Personen weiter, die eigentlich nicht davon wissen sollten – was Gerlof aus dem logischen Verlauf der Geschichte heraus klar sein muss – und hält diese Informationen aber gegenüber seiner Nichte, die als Polizistin auf Öland arbeitet, zurück, was der Romanreihe viel von seiner bisherigen Glaubwürdigkeit nimmt. Bis dato musste Theorin noch nie auf das Hilfsmittel des Übertünchens von logischen Lücken zurückgreifen, bedauerlicherweise scheint die Notwendigkeit im letzten Teil der Reihe für ihn nun gegeben zu sein.

Wem die ersten drei Romane der Reihe gefallen haben, der muss und wird natürlich auch den vierten Band lesen. Alleine schon um die Geschichte des alten Gerlof, der einem im Laufe der Bücher ans Herz gewachsen ist, weiter zu verfolgen. Der schale Beigeschmack, dass dem Autor nach Band 3 die zündende Idee für einen vierten Teil auf dem hohen Niveau der vorhergenden Teile gefehlt hat, bleibt aber leider übrig.

Beim schwedischen Online-Händler Bokus sind alle schwedischsprachigen Ausgaben von „Rörgast“ erhältlich: http://www.bokus.com/cgi-bin/product_search.cgi?ac_used=no&search_word=r%F6rgast

Die deutschsprachige Übersetzung mit dem Titel „Inselgrab“ ist im Piper Verlag erschienen: http://www.piper.de/buecher/inselgrab-isbn-978-3-492-96647-4


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