Slussen – Eine unendliche (Bau-)Geschichte

Ende der 1980er Jahre habe ich zum ersten Mal wahrgenommen, dass der Verkehrsknotenpunkt Slussen, der in Stockholm die Verbindung zwischen den Stadtteilen Gamla Stan und Södermalm herstellt erneuert werden soll, da die seinerzeitige Lösung aus den 1930er Jahren stammt und dem immer stärker wachsenden Autoverkehr innerhalb der Stadtgrenzen nicht mehr gewachsen ist.

Über 25 Jahre nach dem ich diese Diskussion erstmals wahrgenommen habe, schlage ich den Dagens Nyheter auf um mit Interesse und Erstaunen einen Artikel über den Ingenieur und Künstler Per Gantelius zu lesen, in dem dieser zu einem respektvollen Umgang mit der bestehenden Bausubstanz rund um Slussen auffordert, um seine Aussage gleichzeitig mit einer Fotomontage in der er einen stählernen Tintenfisch über die derzeitige Bebauung von Slussen stülpt zu karikieren und dies augenzwinkernd als Plan C für die künftige Gestaltung in die unendliche Diskussion einbringt.

slussen wikipedia

Slussen steht schon seit der Gründung Stockholms immer wieder im Rampenlicht. Die ursprüngliche Stadtgründung erfolgte auf der Insel Stadsholmen, dem heutigen Gamla stan. Zwischen dieser Insel und dem jetzigen Södermalm treffen die Ausläufer der Ostsee und des Mälaren aufeinander. In der Anfangszeit konnten die Schiffe diesen Ort noch ohne Schleusen passieren. Durch die fortwährende Landhebung wurde es notwendig eine Schleuse zu bauen um den immer stärker werdenden Niveauunterschied zwischen dem Mälaren und der Ostsee für die Schifffahrt auszugleichen. Ab 1637 wurde an der Drottning Kristinas sluss mit Hilfe von holländischen Ingenieuren gearbeitet. 1642 konnte die Schleuse in Betrieb genommen werden. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Anlage den jeweiligen Erfordernissen angepasst, bis in den 1920er Jahren das von den Stockholmern heute so genannte „Slussenelend“ begann. Durch den immer stärker wachsenden Autoverkehr sah man sich gezwungen eine globale Verkehrslösung für diesen Ort zu suchen.

slussen altes foto wikipedia

Am Beginn der 1930er Jahre begannen die Umbauarbeiten, diese dauerten bis 1935 an und beinhalteten das auch noch heute charaktaristische Verkehrskarusell, das man vom Katarinahissen aus in Augenschein nehmen kann. Zur Zeit der Errichtung war es eines der ersten innerstädtischen „Kleeblätter“ (Auf- und Abfahrten und Tangenten) in Europa.

slussen von oben

Das gesamte Gebiet wird auch von der Eisenbahn für das regionale S-Bahn-System ebenso wie für den Fernverkehr in Richtung Südschweden genutzt. Desweiteren werden einige Linien der Stockholmer U-Bahn durch Slusssen geführt. Seit den großen Umbauten in den 1930er Jahren führt auch eine Fußgängerverbindung von Riddarholmen nach Södermalm. Auch der Vorortezug nach Saltsjöbaden hat hier seinen Endpunkt.

Unabhängig vom Straßenverkehr wird in Stockholm intensiv an der Umsetzung der Citybanan gebaut. Für den Streckenabschnitt rund um Slussen bedeutet dies die Verlegung des bis dato oberirdisch verlaufenden U-Bahnverkehrs in einen Tunnel der unter dem Mälaren Riddarholmen mit Södermalm verbinden soll. Bis 2017 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein und die U-Bahn-Garnituren ab dann unterirdisch verkehren.

Ob und wann es zu einer Neugestaltung der oberirdischen Verkehrsflächen bei Slussen kommen wird, ist weiterhin unklar. Fast in jedem der vergangenen Jahrzehnte gab es Bauprojekte die laut den zuständigen Politikern unmittelbar vor der Umsetzung standen und dann doch nicht in Angriff genommen wurden. Dann schien man mit dem Architekturwettbewerb „Nya Slussen“ den lang ersehnten Durchbruch geschafft zu haben. Der Gewinner dies Bewerbs, es handelt sich dabei um das adaptierte Siegerprojekt der Architekturfirma von Carl Nyrén aus einem früheren Wettbewerb, konnte wohl alle Beteiligten mit seiner Arbeit überzeugen. Der Gedanke war die bisherigen Bauten alle abzureißen und durch eine breite Brücke für den Verkehr sowie eine eigene Fußgängerbrücke  zu ersetzen. Es dauerte allerdings nicht lange bis sich einige Entscheidungsträger nicht mehr so sicher waren ob es sich dabei tatsächlich um eine gute Idee handelt. Also gab es 2007 einen neuen Wettbewerb aus dem 2009 Foster + Partners mit Berg Arkitektkontor als Sieger hervorgingen. 2013 sollte mit dem Bau begonnen werden und 2020 würde man die neue Verkehrslösung der Öffentlichkeit zur Benützung übergeben können. Nach vielen Diskussionen und Einwendungen hat man mit dem Bau auch heute noch nicht begonnen und wie es aussieht wird dies auch in den nächsten Jahren nicht der Fall sein.

Slussen neues Projekt

Die bestehenden Bauten sind mittlerweile mehr oder weniger beschädigt und müssen aufwendig erhalten werden. Im Jahr 2003 zum Beispiel mussten 5 Tonnen Beton dringend saniert werden um die Benutzer der Anlagen nicht durch möglicherweise herabfallende Bauteile zu gefährden. Manche der alten Betontreppen mussten stillgelegt oder überhaupt abgerissen werden. Teile der Bauten senken sich immer mehr ab, da die Pfeiler auf denen die Anlage errichtet ist, nachgeben. Jährlich müssen über fünfhunderttausend Euro für die Sanierung aufgewendet werden um den Verkehrsknoten in der jetzigen Form weiter verwenden zu können.

slussen baufallig

Wer mehr über den Verkehrsknotenpunkt Slussen erfahren möchte, findet auf der beigefügten Website www.slussen.nu ausführliche Informationen.

Dieser Link führt zur Karte von Slussen bei Google Maps.

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