En pilgrims död – Mini-TV-Serie

Rolf Lassgård spielt Martin Johansson, den Ermittler im Mordfall Palme und Chef der Reichskriminalpolizei. Er ist der am hellsten leuchtende Stern unter all den hervorragenden Schauspielerinnen und Schauspielern in diesem wohldurchdachten TV-Drama. Und man kann wirklich sagen, dass das Firmament dieses Films gespickt mit Sternen ist.

„En pilgrims död“, ist die Verfilmung von Leif GW Perssons persönlicher, privater und höchst interessanter Theorie wer den Mord am schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme am 28. Februar 1986 verübt hat. Die Miniserie besteht aus vier Stunden funkensprühender Schauspielkunst.

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Rolf Lassgård ist einer der renommiertesten schwedischen Filmschauspieler. Sein großer Durchbruch gelang ihm in den 1990er Jahren als Gunvald Larsson in den ersten Beck-Verfilmungen. Später folgte die Figur des Kurt Wallander in den Verfilmungen der Romane von Henning Mankell. Mit dieser Rolle erreichte er auch in Deutschland Kult-Status. Seit dieser Zeit ist er in unzähligen Kino- und TV-Filmen aufgetreten. In „En pilgrims död“ gelingt es ihm sich neu zu erfinden. Hier ist nichts von seiner so bekannten Gestik oder Mimik zu sehen. Er nimmt sich fast vollständig zurück. Seine kurzen Dialoge werden immer auf den Punkt gebracht, kein überflüssiges Wort, keine überflüssige Geste. Selbst seine physische Präsenz tritt in den Hintergrund. Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass es sich bei „Roffe“ um einen großen Schauspieler handelt, hier hat er ihn auf jeden Fall erbracht.

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Helena af Sandeberg habe ich nie besser gesehen als hier und das trotz ihrer Rolle in „Kim Novak badade aldrig i Genesarets sjö“. Sie und Lassgård passen perfekt zueinander. Ihre Rolle als Jeanette Eriksson, die von Johansson als Erste für eine Gruppe von eingeschworenen ErmittlerInnen ausgewählt worden ist, um ein letztes Mal die Ermittlungen im Mordfall Palme zu führen, eröffnet ihr als Schauspielerin die Möglichkeit ihr gesamtes Können einzusetzen. Von fragil und verletzlich über zögernd, zaudernd, verführerisch, bestimmt bis zu trauernd gelingt es ihr alle diese Facetten genau im richtigen Augenblick einzusetzen.

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Claes Malmberg spielt die Rolle des versoffenen, sich ständig ungerecht behandelt fühlenden Macho-Polizisten mit einer Hingabe, dass man es kaum glauben mag, das es sich hier „nur“ um Schauspielerei handelt.

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Kjell Bergqvist (seinen Durchbruch erlebte er in den frühen Beck-Verfilmungen als Assistent von Martin Beck, gemeinsam mit Rolf Lassgård in den 1990er Jahren) gibt den Chef der SÄPO beängstigend glaubwürdig.

Jakob Ericksson als Sonderbeauftragter Olof Palmes sprüht vor Spielfreude. Lars-Erik Berenett (bei uns seit den Hassel-Verfilmungen in den 1990er Jahren bekannt) spielt einen trinkfesten Ex-Militär.

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Jonas Karlsson (war der Partner von Helena af Sandeberg in „Kim Novak badade aldrig i Genesarets sjö) ist einfach nur genial in seinem Oberklassen-Charakter mit sadistischen Zügen und als Palme-Hasser.

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Und schließlich Johannes Brost. Als Vertrauter des SÄPO-Chefs ist er unglaublich.

Ausgangspunkt für die Verfilmung war die Romantrilogie „Välfärdsstatens fall“ von Leif GW Persson und hier insbesondere der erste Band der Trilogie „Mellan sommarens längtan och vinterns köld“. Die Bücher sind sicher komplexer als die Verfilmung. Um einen roten Faden zu bekommen wurde eine zweite Zeitebene eingezogen. Die Handlung der Bücher ist in den 1980er Jahren angesiedelt. Die zweite Zeitebene des Films befindet sich in der Gegenwart. Dies erleichtert es den Fokus auf bestimmte Teile des Romans zu legen und andere Teile auszulassen ohne das man das Gefühl bekommen würde, das etwas fehlt. Ein Kunstgriff der gerne und oft von Regisseuren angewandt wird und in diesem Film exzellent gelungen ist.

Im Laufe der vier Stunden erhalten die ZuschauerInnen einen detaillierten Einblick in das Machtgefüge Schwedens Mitte der 1980er Jahre. Leif GW Persson spart in seinen Büchern nicht mit Gesellschaftskritik, diese wird auch im Film geübt, fast unscheinbar und eben nicht mit erhobenem Zeigefinger.

Lars Martin Johansson und sein kleines Team lösen den Fall in diesem Film. Zu welchem Ergebnis sie kommen, werde ich selbstverständlich nicht offenbaren. Es ist natürlich eine Hypothese, aber eine plausible, glaubwürdige. Leif GW Persson ist Professor für Kriminologie und war im Laufe der Jahre selbst in die Ermittlungen im Palme-Mord involviert. Dass er sehr viel Insiderwissen besitzt, ist für jeden ersichtlich der seine Romantrilogie gelesen hat.

Mein einziger Kritikpunkt betrifft die beiden angesprochenen Zeitebenen. Hier haben die Maskenbildner bei Lassgård und af Sandeberg nicht ganze Arbeit geleistet. Der Zeitsprung von knapp 25 Jahren schlägt sich beinahe nicht auf die Optik der beiden nieder. Das ist in der ersten halben Stunde ein wenig irritierend bis man sich daran gewöhnt hat und das hätte man sicher besser lösen können.

Der Film ist für Menschen die Schwedisch nicht als Muttersprache haben sicher eine Herausforderung. Die vier Teile leben von den Dialogen. Es wird viel und teilweise schnell und manchmal auch ein wenig undeutlich gesprochen. Wer auf das Mitlesen der schwedischen Untertitel angewiesen ist, wird seine liebe Not haben der Handlung zu folgen. Andererseits gibt es bei der DVD-Fassung natürlich die Möglichkeit, sich einzelne Szenen mehrfach anzusehen, bis man alles verstanden hat.

Als großer Freund des Independent- und Art-House-Kinos freut es mich natürlich besonders, dass es einer so dialogstarken Serie gelingt nie die Spannung zu verlieren. Nach jedem Teil fiel die Entscheidung den nächsten zu starten ohne Zögern. Ein langer, intensiver und spannender Filmabend ist mit „En pilgrims död“ garantiert.

Die vier Teile liefen im Herbst 2012 auf SVT und erzielten mit jeweils um die 1,4 Millionen Zusehern hervorragende Einschaltquoten.

Die DVD ist zum Beispiel beim schwedischen Händler Discshop erhältlich. Hier ist der Link: http://www.discshop.se/filmer/dvd/en_pilgrims_dod_2_disc/P109894

Wer über einen Zugang zum Streaming-Dienst Netflix verfügt kann die Serie dort sehen.

Leider gibt es bis heute noch keine deutschsprachige Fassung.

Hier ist der Link zum schwedischen Trailer: http://vimeo.com/87098238

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