Toni Holgersson – Sentimentalsjukhuset CD

Das erste Mal hörte ich von Toni Holgersson im Jahr 2005. In diesem Jahr wurde sein Album „Tecken på liv“ veröffentlicht und alle Rezensenten in Schweden beschäftigten sich fast mehr mit der Lebensgeschichte des Sängers als mit seinem aktuellen Album. Verständlich, denn hier schien jemand von den Toten auferstanden zu sein.

Seine Karriere begann der 1966 geborene und im Stockholmer Vorort Farsta aufgewachsene Musiker im Jahr 1989 mit einer selbstbetitelten Platte, die für den schwedischen Musikpreis Grammis als bester Newcomer nominiert worden ist. Weitere Platten und Grammisnominierungen folgten. Toni wurde zu einem „kändis“ wie es im Schwedischen heißt, zu einem Promi. 1994 erscheint ein Album mit dem ungewollt ironischen Titel „Lyckliga slut“. Danach wurde es still um ihn. Es handelte sich um das Ende seines bisherigen Lebens und es war kein „Glückliches Ende“. Die nächsten zehn Jahre verbrachte er auf der Jagd nach Drogen und Alkohol. Er verlor seine Wohnung und verbrachte die Tage und Nächte auf der Straße. Jahre später erzählte er in einem Interview von dieser Zeit: „Die von den Drogen ausgelösten Schmerzen wurden mit der Zeit größer als die Betäubung. Es handelte sich um einen inneren Tod den ich gestorben bin, es gab keine Perspektive. Ich hatte keine Wohnung und war phasenweise so paranoid und ausgelaugt, dass ich nicht in der Lage war Geld für Drogen aufzutreiben. Ich befand mich in einer Grenzsituation in der ich zu wenige Drogen hatte um mich zu betäuben und trotzdem konnte ich nicht aufhören. Ich schaffte es nicht ohne Drogen zu leben.“

Seine Drogenkarriere endete im Zusammenhang mit einem Gefängnisaufenthalt. Im Hobbyraum des Gefängnisses stand eine Gitarre, das erste Mal seit sehr langer Zeit spielte er wieder auf einem Instrument. Er fing wieder an Texte zu schreiben. 2005 war es dann endlich so weit. Er veröfftenlichte ein neues Album. Diesesmal mit einem gewollt ironischen Titel „Tecken på liv“, mit beeindruckenden Texten und Titeln wie „Inga sånger tar dom döda tillbaka“ oder „Den jag en gång var“. Wie oben beschrieben stieß ich zu dieser Zeit das erste Mal auf den Musiker Toni Holgersson, der sich auf diesem Album und dem fünf Jahre später erschienenen Studioalbum „Ibland kallar jag det kärlek“ als legitimer Vertreter des „Vispop“ präsentierte, also einer spezifisch skandinavischen Variante eines Singer/Songwriters.

In seinem aktuellen Studioalbum „Sentimentalsjukhus“ erweitert er sein musikalisches Repertoire um den Blues. Auf diesem Album sind mehr Coverversionen als von Toni selbst geschriebene Songs zu finden. „Tillbaka till dig“ heißt im Original „Coming back to you“ und stammt aus der Feder von Leonard Cohen. Tonis Übersetzung ins Schwedische und seine Interpretation machen dieses Lied zu einem der besten Cohen-Covers die ich bis jetzt gehört habe, getoppt nur durch  Jeff Buckleys Hallelujah Version. Weitere Coverversionen die meiner Meinung nach durch Tonis Interpretation gewonnen haben sind „Inga kläder“ im Original von Veronica Maggio, „Poste restante“ von Rockamöllan und nicht zuletzt Charlie Engstrands „Allting faller“. Das Schöne an diesem Album. Alle Songs passen perfekt zueinander, es macht keinen Unterschied ob es sich um Covers oder Tonis eigene Lieder handelt. Alle Titel fügen sich organisch ein.

Großen Anteil am Gelingen dieses Projekts hatte, wie bereits beim Vorgänger „Ibland kallar jag det kärlek“, der Produzent Dante Kinnunen, Tonis ältester Sohn. Die beiden singen übrigens auch ein Lied gemeinsam auf dem neuen Album: „Svärmar av fåglar“.

Das Album ist als CD beim schwedischen Händler CDON erhältlich (Versand auch nach Deutschland mit einer Portopauschale von € 4,95 pro Bestellung): http://cdon.se/musik/holgersson_toni/sentimentalsjukhuset-20987324

Für Spotify-User ist hier der Link zu Toni Holgerssons Musik zu finden: https://play.spotify.com/search/Toni%20Holgersson/albums

Hier sind noch einige Links zu Songs von Toni Holgersson via youtube:

Tillbaka till dig: http://www.youtube.com/watch?v=xm5p8KfjyzA
Blå moln: http://www.youtube.com/watch?v=oT31EyDwZu8
Allting faller: http://www.youtube.com/watch?v=sm-0Npv8xpc
Inga sånger tar dom döda tillbaka: http://www.youtube.com/watch?v=9_E_oC_rMjw
Den jag en gång var: http://www.youtube.com/watch?v=CHVIihIn22A


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