Film – Hundraåringen som klev ut….

Im örtlichen Programmkino lief am 22.3.14 die schwedische Originalfassung vom „Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann“ an. Ausgestattet mit einem reellen schwedischen Kinopaket bestehend aus Lördagsgodis, Estrella Sour Cream & Onion Chips, Pigall, Co-Co und Julmust (ja, schon ein wenig aus derZeit aber mangels anderer schwedischer Softdrinks alternativlos) waren wir gespannt wie die Verfilmung wohl funktionieren würde.

Die ersten siebzig Minuten des Films haben meine Erwartungen voll erfüllt. Relativ nah am Buch wird die Geschichte von Allan Karlsson erzählt, man wird hervorragend unterhalten, das Publikum bricht regelmäßig in Lachsalven aus. In dieser Phase des Films muss man des öfteren auf die Untertitel zurückgreifen. Da Hundertjährige meist nicht mehr über eine kraftvolle Stimme verfügen, sind Allans Dialoge teilweise schwer zu verstehen und verhältnismäßig leise, so dass durch das Gelächter die nächsten Pointen im Lärm der Kinobesucher untergehen. Nach knapp siebzig Minuten wendet sich das Blatt. Die Story verliert an Struktur. Einige der besten Passagen des Buches fanden keinen Eingang in den Film. So fehlen die Schauplätze und Geschichten in China und dem Iran vollständig. Was ich persönlich sehr schade finde. Angeblich handelt es sich um den teuersten schwedischen Kinofilm aller Zeiten. Ich hatte den Eindruck, dass man irgendwann am Ende des Budgets angekommen war und deshalb die Geschichte zu einem Ende bringen musste. Ob das tatsächlich der Grund war die Romanvorlage von Jonas Jonasson zu verlassen, darüber kann ich natürlich nur spekulieren. Auf jeden Fall leidet die Logik der Story unter diesen Veränderungen. So fällt die frühere Verbindung von Bennys Bruder Bosse zu Gäddan, dem Chef der MC-Gang „Never Again“ vollkommen unter den Tisch, ebenso wie die für den ermittelden Staatsanwalt eloquent erzählte aber völlig absurde „Bekehrung“ von  Gäddan zum christlichen Prediger.

So wurde die hervorragende Buchvorlage von den Drehbuchautoren leider verschlimmbessert und die Verfilmung lässt einen am Ende ein wenig ratlos zurück. Einerseits wird man über weite Strecken gut unterhalten, andererseits gelang es mir in den letzten zwanzig Minuten kaum mehr mich auf den Film zu konzentrieren, weil ich die Geschichte auf der Leinwand mit meinen Erinnerungen an das Buch nicht mehr in Einklang bringen konnte. Wäre die Auflösung der Geschichte unterhaltsam gewesen, hätte ich über die Veränderungen gut und gerne hinwegsehen können. Aber für mich war das eine echte Verschlechterung zum Original.

Uneingeschränkte Bewunderung bringe ich für den Darsteller des Allan Karlsson auf. Robert Gustafsson hat mich in jeder Szene überzeugt. Sei es als begeisterter Brückensprenger im spanischen Bürgerkrieg oder als Hundertjähriger am Road Trip durch die schwedische Provinz. Die Pointen kamen punktgenau, sein Spiel war nicht übertrieben, sondern nahezu perfekt.

Iwar Wiklander als Julius und Ralph Carlsson als Inspektor Aronsson sorgen für weitere Highlights. David Wiberg muss seine Rolle als Benny fast ein wenig als Parodie eines ewig Verzagten und Unentschlossenen spielen. Er bleibt insgesamt farblos. Ebenso wie Mia Skäringer ihre Rolle als Gunilla sehr eindimensional anlegen muss. Wer Mia Skäringer jemals in ihrer Paraderolle in der TV-Serie Solsidan gesehen hat, fragt sich warum man auf das in ihr steckende Potential verzichtet hat. Die Rollenzeichnung der MC-Gang „Never again“ und ihrer Mitglieder ist für meinen Geschmack vollkommen daneben gegangen. Das war mehr eine Karikatur einer MC-Gang. Vor diesen Gangstern würden sich nicht einmal 3jährige fürchten. Wie sollten diese als grenzdebil auftretenden Figuren an 50 Millionen Kronen kommen?

Die schwedische Landschaft und die Örtlichkeiten wurden wunderschön in Szene gesetzt. Warum man den Film trotz mancher Schwächen, in einigen Kategorien nicht für den schwedischen Filmpreis nominiert hat, ist mir unverständlich. Insbesondere Göran Hallberg hätte sich einen Guldbagge für seine Bildsprache verdient. Dem Regisseur Felix Herngren (u.a. auch Solsidan) ist es hervorragend gelungen die schwedische Mentalität in Szene zu setzen. Alle Klischees die das Buch schon bedient finden Eingang in den Film.

Mein Fazit: Ein über weite Strecken unterhaltsamer Film. Zum Klassiker wird es nicht reichen. Wer das Buch noch nicht gelesen hat, sollte dies nachholen.

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