Det fördolda von Hjorth & Rosenfeldt

Im Laufe der Jahre habe ich viele Krimis aus Schweden gelesen. Neben absoluten Highlights wie der Milleniumserie von Stieg Larsson, befand sich darunter auch viel Dutzendware, angefangen bei Plots, die entweder vollkommen unglaubwürdig und durchschaubar waren oder Büchern die sprachlich nicht reüssiert haben.

Äußerst positiv überrascht hat mich der erste Krimi der beiden Autoren Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt. Lange lag er bei mir im Regal der noch zu lesenden Bücher, der Klappentext und das Artwork des Umschlages konnten mich nicht in seinen Bann ziehen. Schließlich war es vergangene Woche so weit. Ich nahm das Pocket zur Hand, mit einer gewissen Skepsis, und begann zu lesen. Und konnte den Band nicht mehr aus der Hand legen. „Det fördolda“ verfügt abgesehen von den üblichen Ingredenzien wie einem Mord, einer Gruppe von Polizisten (Rikskrim), Beziehungsgeflechten und Liebe über etwas spezielles. Einen gebrochenen aber trotzdem (oder gerade deswegen) arroganten Antihelden. Dabei handelt es sich um den Psychologen Sebastian Bergman, der längere Zeit für für die schwedische Polizei als Profiler gearbeitet hat und dessen Ruf immer noch legendär ist. Ein frischer, an manchen Stellen humorvoller, ständig vorwärtstreibender Krimi mit einer glaubwürdigen Geschichte, der die aufbrechenden Beziehungsgeflechte, die durch die Integration von Sebastian Bergman in das Team augelöst werden, geschickt in die Handlung und die Weiterentwicklung der Story einbaut.  Endlich wieder einmal ein Krimi bei dem alle Handlungsfäden im Zuge der Geschichte abgeschlossen oder miteinander verbunden werden und nicht wie es leider viel zu oft geschieht, die offenen Enden in einem Schlusskapitel irgendwie zusammengekleistert werden um dem Leser im Nachhinein den Ablauf zu erklären. Der Cliffhanger auf der letzten Seite gehört zu den besten seines Genres.

Der Beginn der Handlung in Kurzform: In Västerås verschwindet ein fünfzehnjähriger Junge spurlos. Die Polizei glaubt zuerst an einen Ausflug nach Stockholm und erklärt der Mutter sie solle sich keine Sorgen machen. Einige Tage später wir die Leiche des Jungen gefunden. Alles deutet auf einen Ritualmord hin, da das Herz aus dem Körper entfernt worden ist. Die Polizei vor Ort fühlt sich überfordert und zieht die Rikskrim (Reichsmordkommission) zu. Ein Team aus 4 Spezialist/inn/en reist an und übernimmt die Ermittlungen. Unabhängig davon reist Sebastian Bergman nach Västerås um die Verlassenschaft nach dem Tod seiner Mutter abzuwickeln. Seit Jahrzehnten hatte Sebastian kaum bis keinen Kontakt mehr zu seinen Eltern. Er war weder auf auf der Beerdigung seines Vaters vor 22 Jahren, noch auf der seiner kürzlich verstorbenen Mutter. Am liebsten möchte er das Haus seiner Eltern so rasch als möglich verkaufen und wieder zurück nach Stockholm fahren. Beim Tsunami am 26. Dezember 2004 verlor Bergman seine Frau und seine Tochter, seitdem hat er nicht mehr ins Leben zurückgefunden. Er lebt von seinen Ersparnissen und der ausbezahlten Lebensversicherung von seiner ums Leben gekommenen Frau. Durch einen Zufall, nämlich die Festnahme eines Tatverdächtigen der durch den Garten seines Elternhauses läuft, trifft er auf seinen früheren Kollegen und Freund Torkel Höglund. Bald ist er Teil des Ermittlerteams, das er durch sein Auftreten brüskiert, doch immer wieder gelingt es ihm durch seine Kenntnisse die Ermittlung voranzubringen.

Hjorth und Rosenfeldt waren mir vorher nicht bekannt. Wie sich herausgestellt hat sind beide unter anderem Drehbuchautoren, was auch ein wenig die sehr stringente Erzählweise erklärt. Hier sind zwei Autoren am Werk die es gewohnt sind, ihre Zuseher vor dem Bildschirm zu halten. Dies gelingt ihnen auch in der Buchform. Interessant ist auch, dass die beiden zuerst das Manuskript für die Fernsehserie (Den fördömde) geschrieben haben und dieses dann in einen zweiteilgen Krimi in Buchform „umgeschrieben“ haben. Eigentlich der umgekehrte Weg. Im Normalfall wird aus dem Buch eine TV- oder Kinoumsetzung.

Der zweite Teil heißt „Lärjungen“ diesen habe ich mir schon zum Lesen vorgemerkt.

In der Fernsehserie verkörpert Rolf Lassgård den Psychologen Sebastian Bergman.

Im Schwedischen ist der Titel als Pocket wie folgt verfügbar: Det fördolda, Hjorth/Rosenfeldt, ISBN 9789113035567

Ebenso gibt es ein schwedisches e-bok mit der ISBN 9789113022635 (Bei Adlibris Mondo für SEK 35,-).

Die deutschsprachige Übersetzung heißt „Der Mann, der kein Mörder war“ und ist als Taschenbuch im Rowohlt Verlag erschienen. ISBN 978-3-499-25670-7.


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