Stridens skönhet och sorg von Peter Englund

Schönheit und Schrecken des Krieges. Gemeint ist damit der 1. Weltkrieg, der vor bald 100 Jahren seinen Ausgang genommen hat und in der Erinnerung deutlich verblasst ist. Trotz der Millionen von Toten, auf Schlachtfeldern in 3 Kontinenten.

Peter Englund, seines Zeichens Historiker und seit 2009 ständiger Sekretär der Schwedischen Akademie (Nobelpreis-Komitee), hat sich vor einigen Jahren diesem ersten „modernen“ Krieg in der Geschichte der Menschheit angenähert. In seiner „Geschichte von unten“ erzählt er von 19 Menschen die auf unterschiedlichste Art und Weise von diesem Krieg betroffen waren. Als Grundlage dienten ihm die Tagebuchaufzeichnungen der ausgewählten Menschen. Diese zitiert er, bringt die persönlichen Notizen in einen für den Leser verständlichen Kontext und informiert in den Fußnoten über die großen Zusammenhänge.

Ausgangspunkt waren Briefe, Tagebücher und Selbstbiographien die Englund in großer Anzahl durchgearbeitet hat um den Erlebnissen und Schicksalen der 19 ausgewählten Personen ein möglichst lebensnahes und realistisches Bild einhauchen zu können. Manchmal liest sich das Buch wie ein Thriller und man muss sich bei der Lektüre immer wieder vergegenwärtigen, dass es sich um reale Schicksale handelt von denen Englund schreibt.

Das Buch beginnt mit der zwölfjährigen Elfriede Kuhr, die in Schneidemühl im ehemaligen Ostpreussen lebt und den Beginn des 1. Weltkriegs als große Feier erlebt. Eine Feier für die Soldaten, die in den Krieg ziehen. In einen Krieg der in der Meinung aller gar nicht geführt werden wird, sondern nur aus Drohgebärden besteht. Bald stellt sich heraus, dass dies ein fataler Irrtum war. In kurzen Kapiteln, die zumeist nur zwei bis drei Seiten lang sind, erzählt Englund die Geschichte eines Infanteristen aus Frankreich, eines weiblichen Chaffeurs aus Australien, einer englischen Krankenschwester die in Russland für das Rote Kreuz tätig ist, einem ungarischen Kavalleristen, eines amerikanischen Chirugen und dreizehn weiterer Menschen, denen es im Laufe der Zeit immer schwerer fällt zu verstehen wofür sie kämpfen.

Für die einen geht es in die Schützengräben an der Westfront. Die Kämpfe mit den sinnlosen Landgewinnen und Rückeroberungen rund um Verdun, die oftmals nur wenige Meter betragen aber in der Presse des jeweiligen Heimatlandes als triumphale Siege gefeiert werden und unzählige Tote nach sich ziehen, werden in den Tagebüchern und Briefen der Betroffenen schonunglos offen geschildert.

Die anderen kämpfen an der Ostfront und werden aufgrund der schlechten Planung durch die Stäbe bereits im ersten Jahr des Krieges Opfer des Winters und der Kälte.

Ab 1916 dreht sich bei praktisch allen Beteiligten die Stimmung ins Negative. Als die Versorgungsengpässe sowohl der Zivilbevölkerung als auch der Soldaten immer eklatanter werden, wächst die Unzufriedenheit über die Befehlshaber immer stärker. Als in Russland die Oktoberrevolution das Kaiserhaus hinwegfegt, springt der Funke auch in anderen Ländern über.

Schlussendlich will und kann niemand über das Ende des Krieges jubeln. Das eigene Heimatland ist entweder zerstört oder auf jeden Fall ökonomisch ausgelagt. Zu Hause warten Hunger und Arbeitslosigkeit auf diejenigen, die Tage und Wochen zuvor noch Helden waren.

Englund befasst sich viel mit den Gedanken und Gefühlen der Menschen, um die Sehnsucht nach den Lieben in der Heimat, um den eigenwilligen „Alltag“ den sich die Menschen schaffen um die Geschehnisse um sie herum nicht nur physisch sondern auch psychisch zu überleben.

Die Wege der 19 Personen kreuzen sich nie aber die Art wie Englund sein Buch angelegt hat, führt zu einer stringenten Erzählung die nie den Faden verliert und den Blick auf das große Ganze freigibt. Das Ergebnis ist ein Meisterwerk der Erzählkunst, sowohl als Roman als auch als Geschichtsschreibung. Der Genrebegriff „Sachprosa“ passt wohl bestens für dieses Buch.

Die schwedischsprachige Originalausgabe gibt es im Pocketförlaget (ISBN 9789186067755).

Die deutsche Übersetzung ist bei Rowohlt (ISBN 978-3-499-62623-4) unter dem Titel „Schönheit und Schrecken“ erschienen.

Über etliche der beschriebenen Personen sind im Internet Informationen zu finden. So zum Beispiel über:

Elfriede Kuhr – http://de.wikipedia.org/wiki/Jo_Mihaly

Pál Kelemen – http://www.azarchivesonline.org/xtf/view?docId=ead%2Fasm%2FMS9.xml%3Bquery%3D%3Bbrand%3Ddefault

Florence Farmborough – http://en.wikipedia.org/wiki/Florence_Farmborough

Willy Coppens – http://de.wikipedia.org/wiki/Willy_Coppens

Olive King – http://www.smh.com.au/articles/2004/04/11/1081621835179.html

Harvey Cushing – http://de.wikipedia.org/wiki/Harvey_Cushing


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