Simon och ekarna (Film)

Die Buchvorlage war einer der großen Bestseller im Schweden der 1980er Jahre. Das es 26 Jahre gedauert hat, bis die Romanvorlage verfilmt worden ist, mutet heutzutage ungewöhnlich an, nachdem  heute bei einem Roman mit Bestsellerpotential kurz nach dem Erscheinen des Buches bereits mit den Dreharbeiten für die Verfilmung begonnen wird.

Aber vielleicht war die Zeit auch erst jetzt reif. Vor allem für die deutliche Herausarbeitung der jüdischen Wurzeln der Hauptperson des Romans und des Films und der Dramatik die sich daraus entwickelt.

Der Film beginnt im Jahr 1939. Simon ist zwölf Jahre alt, er fühlt sich in der Arbeiterfamilie am Meer, in der er aufwächst, deplaziert. Er liebt es zu lesen, hört seiner Lieblingseiche beim Sprechen zu und sorgt selbst dafür, dass er an der Aufnahmeprüfung an der Schule in Göteborg teilnehmen kann, die er später besuchen möchte.  Sein Vater ist damit nicht einverstanden und wird milde gesprochen ungehalten, auch gegenüber seiner Frau Karin, als er erfährt, dass diese den Jungen dabei unterstützt. In der Schule begegnet er einem anderen Aussenseiter. Isak Lentov. Die beiden werden Freunde, auch über soziale Grenzen hinweg. Isak stammt aus einer intellektuellen, jüdischen Oberklassenfamilie, die in einer generösen Stadtwohnung in Göteborg lebt. Im Laufe des Films gewinnt der Umstand, dass die Lentovs ihren familiären Hintergrund in Deutschland haben, eine immer stärkere Bedeutung.

Die Unterschiede zwischen den Lebenswelten der beiden sind augenfällig. Trotzdem ist es Simons kleine Strandstuga die zum Rückzugsort für sie wird. Umso mehr, als Isaks neurotische Mutter, die das Näherkommen der Nazis fürchtet, immer unzugänglicher wird und über der Familie Lentov ein dunkler Schatten aufzieht, was sich im Film in der immer dunkler werdenden Wohnung wiederspiegelt.

Das Wesentliche in dem, von der Regisseurin Lisa Ohlin kongenial umgesetzten, ergreifendem Drama ist, welche Spuren der Nationalsozialismus in der schwedischen Gesellschaft hinterlassen hat, eigentlich in allen Lebensbereichen. Die beiden Jungen spüren dies am stärksten in der Schule und in der Buchhandlung der Lentovs. Im Laufe des Films wird immer deutlicher, dass Simons Aussenseiterrolle kein Zufall ist. Seine Eltern versuchen, dieses Geheimnis für sich zu bewahren, in der zweiten Hälfte des Films tritt dieser Handlungsstrang  immer stärker in den Vordergrund und führt Simon schließlich nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten, ins Berlin der Nachkriegszeit, um sich auf die Suche nach seiner wahren Identität zu machen.

Die Ängste des Ruben Lentov, dem Vater Isaks, werden von Jan Josef Liefers, sehr glaubwürdig und realistisch dargestellt. Dänemark und Norwegen wurden bereits von den Nazis besetzt. Göteborg und Schweden sind nicht mehr der sichere Hafen, wie noch einige Jahre zuvor. Dazu kommen die heimlichen und offenen Anfeindungen so mancher Schweden, die mit dem Nationalsozialismus sympathisieren. Jan Josef Liefers wurde für seine Rolle mit dem Guldbagge für den besten männlichen Nebendarsteller ausgezeichet. Der Guldbagge ist das Gegenstück zum Deutschen Filmpreis oder den amerikanischen Oscars.

Dem Film merkt man die finanziellen Möglichkeiten, die sich aus der Koproduktion mit einer deutschen Produktionsfirma ergeben haben, an. Die Bilder sind opulent, die Wohnung der Lentovs erinnert zum Beispiel in ihrer Ausstattung und Inszenesetzung an Ingmar Bergman, alle Schauplätze sind bis ins kleinste Detail stimmig.

Jan Josef Liefers brilliert als ein aus Deutschland emigrierter Jude. Jonatan Wächter und Karl Martin Eriksson spielen Simon und Isak als zwölfjährige völlig natürlich und ungekünstelt, so als wäre keine Kamera und kein Filmteam dabei. Bill Skarsgård gelingt es, dem pubertierenden Simon, die richtige Balance zwischen Tagträumer und Getriebenen zu verleihen. Helen Sjöholm darf die Rolle der Mutter weit zärtlicher, als es im Roman der Fall ist, gestalten. Simons Vater verdrängt die wahre Existenz von Simon bis zuletzt, man glaubt ihm, dass er dieses Geheimnis am liebsten nie lüften möchte, Stefan Gödicke verleiht dieser Rolle mit seiner Spielweise Ausdruck. Cecilia Nilsson als Simons Tante inga wurde für ihre Leistung mit dem Guldbagge für die beste weibliche Nebenrolle geehrt.

Hier ist der Trailer zum schwedischen Original: http://www.youtube.com/watch?v=CTByEynsvQs

Und hier zur synchronisierten deutschen Fassung:

Die DVD bzw. Blue Ray die im deutschen Handel erhältlich ist, verfügt neben der deutschen auch über eine schwedische Tonspur.


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