Turid

Anfang der 1970er Jahre befand sich die politisierte schwedische Musikbewegung, der „Progg“ (nicht zu verwechseln mit dem englischen Proggresive-Rock) auf einem ersten Höhepunkt in der schwedischen Musiklandschaft und Gesellschaft. Die Qualität der Musik konnte dort allerdings oft nicht mit der kulturpolitischen Bedeutung der Texte Schritt halten.

Als zu diesem Zeitpunkt Turid Lundqvist ihr zweites Album „Bilder“ veröffentlicht hat, war sie der genaue Gegenentwurf zu den oftmals lauten und wenig subtilen politischen Texten vieler Bands und Musiker zu dieser Zeit. Aufgewachsen in einer musikalischen Familie, beide Elternteile waren in der Jazzmusik zu Hause, konnte sie auf eine gediegene musikalische Ausbildung zurückgreifen. Ihr scheues, nie exibitionistisches Auftreten unterschied sie auch in diesen Belangen von der damaligen Hauptströmung und deren Protagonisten. Ihre oft poetischen Texte transportieren Konflikte meistens eingebettet in sehr melodiöse Songs in denen auch Platz für Liebe, Schönheit und allgemeine Lebensbetrachtungen war.

Das Debütalbum „Vittras visor“ von 1971 war eine Sammlung von langsamen, ruhigen Folksongs, die meisten davon in englischer Sprache gesungen. Auf dem Nachfolgealbum „Bilder“ windet und schwebt ihre Stimme um einzelne Wörter. Mit einer vollkommen vereinnahmenden Stimme, unterstützt von Piano- und Gittarenspiel und introviertierten Texten präsentiert sie hier ihr vollständiges gesangliches Spektrum. Unabhängig ob Ihre Lieder  von der Natur oder der Unabhängigkeit des Einzelnen handeln, fließen in subtiler Art und Weise die Kampfbotschaften der schwedischen Musikbewegung der 1970er Jahre ein, zu der sie sich offen bekennt und zugehörig fühlt, zu der sie aber aufgrund ihres Auftretens und Musikstils nicht passt und von dieser nie wirklich akzeptiert worden ist.

Als Turid bei einer Kundgebung gegen die griechische Militärjunta auftritt und Liebeslieder anstelle von politischen Agitationsliedern singt, wandten sich einige Musiker aus dem schwedischen Progg gegen sie. Einige Jahre später nahm sie ein Majorlabel – Metronome – unter Vertrag, was ihr den Vorwurf einbrachte sich verkauft zu haben. Diese und ähnlich gelagerte Erlebnisse führten dazu, dass sie seit Anfang der 1980er Jahre keine neue Platte mehr veröffentlicht hat.

Mit „Bilder“ war Turid Lundqvist eine Wegbereiterin für viele schwedische Singer/Songwriter/innen. Hier ahnten viele wie derartiges klingen und wie ihr eigener musikalischer Weg aussehen könnte.

„Bilder“ ist heute neuwertig nicht mehr erhältlich. 2010 erschien ein Best of Album mit dem Titel „Stjärnor Och Änglar – Songs 1971-75“. Aus dem Jahr 2004 stammt das Sammelablbum „I retur“.

Beide CDs sind bei http://www.cdon.eu erhältlich (Versand nach Deutschland und Österreich bei Zahlung per Kreditkarte).

Auf Spotify sind einige Songs von Turid Lundqvist zu finden: https://play.spotify.com/album/1cgNZ5dJ2gobXlNUZPMllB

Auch auf youtube wird man fündig: https://www.youtube.com/watch?v=ejXpG_a4SEs


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